Gedenkveranstaltung zum 1. Todestag von Aamir Ageeb
Die
Würde des Menschen
ist unantastbar. Sie zu achten
und zu schützen ist Verpflichtung
aller staatlichen Gewalt.
(Art.1, Abs.1 GG)
Aamir
Ageeb
geb.
3. 8. 1968 gest. 28.5.1999
Am
28.5.1999 starb der Sudanese Aamir Ageeb während seiner Abschiebung von
Frankfurt nach Khartum durch die Hand von BGS-Beamten. Todesursache: "Erstickungstod
durch massive Einwirkung von Gewalt".
Gedenkveranstaltung
zum
1. Todestag von Aamir Ageeb
Die StudentInnen
der KSFH München,
unterstützt von:
Karawane für die
Rechte der Flüchtlinge
Bayerischer Flüchtlingsrat
Münchener Flüchtlingsrat
Landes-Asten-Konferenz Bayern
Fachbereichsrat Soziale Arbeit der KSFH München
AK Lufthansa
|
Warum
wehrte sich Aamir Ageeb...
Der Sudan ist ein Bürgerkriegsland.
In einer, von allen Seiten mit unnachgiebiger Härte geführten Auseinandersetzung
sind Vertreibungen, extralegale Hinrichtungen, Plünderungen, Vergewaltigungen,
Folter, Mord und "Verschwindenlassen" an der Tagesordnung. Der Sudan wurde deshalb
von der UN-Menschenrechtskommission wegen massivster Menschenrechtsverletzungen
im Jahr 1999 verurteilt.
Im Sudan gibt es 1,8 Millionen
Binnenflüchtlinge, Hunderttausende sind über die Staatsgrenzen geflohen. Flüchtlinge
aus dem Sudan werden jedoch als "Wirtschaftsflüchtlinge" abgestempelt.
Es ist bekannt, daß sudanesische
Staatsangehörige, die nach längerem "Auslandsaufenthalt" zurückkehren, dem Staatssicherheitsdienst
überstellt werden.
Das Stellen eines Asylantrages
kann als oppositioneller Akt gewertet werden und zu politischer Verfolgung,
Inhaftierung ohne Anklage, Folter oder "Verschwindenlassen" führen. (Quelle
ai)
Von Ageebs Brüdern war einer
politischer Gefangener im Sudan, ein anderer starb im Bürgerkrieg. Ageebs Angst
vor Verfolgung im Sudan war so groß, daß er wenige Tage vor seiner Abschiebung
in der Abschiebehaft einen Selbstmordversuch beging.
...
vielleicht weil er nicht in dieses Land zurück wollte ?
Abschiebung
Abschiebung von Flüchtlingen
wird in Europa mit zunehmender Brutalität praktiziert. Bereits 1994 verstarb
ein Nigerianer bei der Abschiebung, nachdem er von BGS-Beamten geknebelt und
gefesselt wurde und eine Beruhigungsspritze erhielt.
Ende 1998 erstickte in
Belgien eine Nigerianerin bei der Abschiebung, nachdem ihr Polizeibeamte ein
Kissen auf das Gesicht gedrückt hatten, um sie am Schreien zu hindern.
Vorletzter Fall ist der
Tod eines Flüchtlings bei der Abschiebung aus Österreich. Er erstickte im Frühjahr
1999, nachdem ihm Mund und Nase mit einem Klebeband verschlossen wurden.
Abschiebungen aus Deutschland
finden in nahezu jedes Land statt, egal ob dort Bürgerkriege, Hungersnöte oder
sonstige humanitäre Katastrophen wüten. Zu diesen Ländern zählen neben dem Sudan
auch Togo, Algerien, Afghanistan, der Kongo, u.a.
Flüchtlinge, die sich aus
Angst um ihr Leben gegen ihre Abschiebung wehren, werden von deutschen BGS-Beamten
"begleitet", um die Rückkehr der Flüchtlinge sicherzustellen. Diese Beamten
wenden im Dienste einer inhumanen Asylpolitik Gewalt an, z.B. werden Abzuschiebende
gefesselt, mit Medikamenten ruhiggestellt oder mit Motorradhelmen am Schreien
gehindert. All das vollzieht sich in normalen Linienflugzeugen, vor allem der
Lufthansa, in der letzten Sitzreihe, mit einem Vorhang von den übrigen Flugpassagieren
abgetrennt.
"Schon
morgen kann es wieder einen Toten geben."
Dieser Satz stammt von BGS-Beamten
am Frankfurter Flughafen, die die Abschiebungen vollziehen müssen. Dieser Satz
sollte uns eine Warnung sein, die Beteuerungen über gerechte und humane Abschiebungen
anzuzweifeln.
Der Tod von Aamir Ageeb
gemahnt uns, die deutsche Asylpolitik und Abschiebepraxis zu überdenken und
den Menschen, die nach Deutschland flüchten, eine sichere Bleibe zu gewähren.
Denn bei allen Unterschieden:
Sie
sind Menschen wie wir
und haben ein Recht auf Leben wie wir!
Resolution
der StudentInnenschaft
der Katholische Stiftungsfachhochschule München, Abt. München
Beschluß der Vollversammlung vom 31.05.1999
Menschen, die unter größter
Gefahr für ihr Leben nach Deutschland flüchten, haben einen Grund dazu. Ebenso
wie Aamir Ageeb aus Angst um sein Leben flüchtete, tun dies auch andere Flüchtlinge.
"DIE
WÜRDE DES MENSCHEN IST UNANTASTBAR !" (Art. 1 GG)
Unser Grundgesetz, die Genfer
Flüchtlingskonvention sowie die UN-Menschenrechtskonvention sichern allen Menschen
ein Recht auf Leben, ein Recht auf körperliche Unversehrtheit, ein Recht auf
Freiheit, sowie Schutz vor Verfolgung und eine menschenwürdige Behandlung durch
staatliche Behörden zu.
Diese Rechte wurden zum
wiederholten Male mißachtet und mit Aamir Ageeb ist wieder ein Mensch ohne Paß
eines europäischen Landes in der Obhut unserer Behörden zu Tode gekommen.
Wir, die StudentInnen der
Katholischen Stiftungsfachhochschule München, sind zutiefst bestürzt über den
Tod von Aamir Ageeb und verurteilen auf das Schärfste diese Abschiebepraxis.
Deshalb fordern wir:
- die lückenlose Aufklärung
des Vorfalls mit einer Dokumentation für die Öffentlichkeit,
- den sofortigen und
endgültigen Stopp aller Abschiebungen aus Deutschland,
- die Neuaufnahme einer
öffentlichen und politischen Diskussion über das Asylverfahrensgesetz.
- Die beteiligten Beamten
des Bundesgrenzschutzes sowie die politisch Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft
gezogen werden und öffentlich Stellung nehmen.

V.i.S.d.P.:
Alexander Thal, StudentInnenvertretung der KSFH München, Preysingstr. 83,
81667 München